Wozu dient eine Testamentsvollstreckung?

Der Testamentsvollstrecker ist die in der Regel vom Erblasser ernannte Person, die oft als Treuhänder die letztwilligen Verfügungen des Erblassers zur Ausführung zu bringen hat. Die Regelungen zur Testamentsvollstreckung finden sich in den §§ 2197 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB)

Wer ein Testament oder einen Erbvertrag errichtet, hat klare Ziele vor Augen: Er möchte eine gerechte und zügige Verteilung des Nachlasses, Schutz des Vermögens, Erhaltung des Familienfriedens und finanzielle Absicherung des Ehepartners und anderer Familienmitglieder. Diese Ziele des Erblassers lassen sich oft besser verwirklichen, wenn die Verantwortung für die Nachlassabwicklung oder -verwaltung einem Testamentsvollstrecker übertragen wird. Wenn die Erben versuchen alles selbst zu regeln, ist Streit und Ärger häufig vorprogrammiert. Grund für die Anordnung der Testamentsvollstreckung kann z. B. sein:

  • die Absicherung des Willens des Erblassers (z.B. im Hinblick auf ein Vermächtnis oder eine Auflage),
  • der Schutz der Erben vor sich selbst (z. B. bei Minderjährigen)
  • Vereinfachung der Verwaltung und Teilung der Erbschaft
  • Friedensstiftung: insbesondere bei mehreren Erben
  • Durchsetzung des Erblasserwillens
  • Minderjährigenschutz
  • Schutz Behinderter
  • Schutz des Erben vor seinen eigenen Gläubigern

Welche Qualifikation braucht der Testamentsvollstrecker?

Der Erfolg der Testamentsvollstreckung steht und fällt mit der damit beauftragten Person.

  • Das Amt erfordert neben der fachlichen Kompetenz ein hohes Maß an Sorgfalt, Entscheidungs-, Durchsetzungs- und Überzeugungskraft sowie die Fähigkeit zum Ausgleich und innere Unabhängigkeit.
  • Ein juristischer Laie ist zudem in der Regel mit der umfangreichen und komplizierten Nachlassabwicklung überfordert und für den Schaden, den er verursacht, in vollem Umfang verantwortlich.

Weiter sollte der Testamentsvollstrecker über die folgenden Eigenschaften verfügen:

  • wesentlich jünger sein als der Erblasser sein,
  • geschäftlich erfahren sein,
  • möglichst ohne eigene Interessen und
  • körperlich und geistig gesund sein.

Welche Pflichten hat der Testamentsvollstrecker?

Hat der Erblasser nichts Besonderes bestimmt, soll der Testamentsvollstrecker die letztwilligen Verfügungen des Erblassers zur Ausführung bringen § 2203 BGB und die Auseinandersetzung des Nachlasses betreiben § 2204 BGB. In diesem Fall wird der Testamentsvollstrecker als Abwicklungsvollstrecker bezeichnet.

Der Erblasser kann dem Testamentsvollstrecker durch Testament auch weitere Aufgaben übertragen, z. B. den Nachlass für eine bestimmte Zeit für den Erben zu verwalten. Dies erfolgt häufig im Rahmen eines sogenannten Behindertentestaments. In diesem Fall wird er als Verwaltungsvollstrecker bezeichnet. Soll er die Erfüllung der Pflichten einer im Testament begünstigten Person überwachen ohne ein Verwaltungsrecht zu haben, liegt beaufsichtigende Testamentsvollstreckung vor.

  • Damit sich die Erben einen Überblick über den Nachlass verschaffen können, muss der Testamentsvollstrecker unverzüglich ein Nachlassverzeichnis erstellen.
  • Während seiner Tätigkeit als Testamentsvollstrecker ist er den Erben auskunfts- und rechenschaftspflichtig.
  • Der Testamentsvollstrecker muss sein Amt gewissenhaft und sorgfältig führen und das ihm anvertraute Vermögen nicht nur erhalten, sondern möglichst auch vermehren.
  • Schenkungen darf der Testamentsvollstrecker nicht vornehmen, es sei denn, es handelt sich um Anstands- oder Pflichtschenkungen.
  • Der Testamentsvollstrecker darf auch keine Geschäfte mit sich selbst abschließen, also keine Gegenstände aus dem Nachlass käuflich erwerben.
  • Fügt der Testamentsvollstrecker den Erben vorsätzlich oder fahrlässig Schaden zu, so haftet er hierfür mit seinem Privatvermögen.
  • Auf Antrag erteilt das Nachlassgericht dem Testamentsvollstrecker ein Zeugnis, damit dieser sich im Rechtsverkehr gegenüber Dritten legitimieren kann.

Welche Vergütung steht dem Testamentsvollstrecker zu?

Der Testamentsvollstrecker erhält eine „angemessene“ Vergütung.

Wie hoch dier Vergütung des Testamentsvollstreckers ist, hat der Gesetzgeber aber nicht im Detail geregelt, sondern lediglich angeordnet, dass eine angemessene Vergütung zu gewähren ist. Der Erblasser sollte deshalb im Testament genau festlegen, welche Vergütung ihm für seine Tätigkeit zusteht. Nur so lässt sich Streit zwischen dem Testamentsvollstrecker einerseits und den Erben andererseits vermeiden.

Der Deutsche Notarverein (www.dnotv.de) empfiehlt z. B. folgende Vergütungsregelung, auf die im Testament Bezug genommen werden kann:

Vergütungsgrundbetrag

bis Euro250.000,-4% des Nachlasses
bis Euro500.000,-3% des Nachlasses
bis Euro2.500.000,-2,5% des Nachlasses
bis Euro5.000.000,-2% des Nachlasses
über Euro5.000.000,-1,5% des Nachlasses

Weitere Details sind den Vergütungsempfehlungen für die Testamentsvollstreckung des Deutschen Notarvereins zu entnehmen.

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